Soll alles so bleiben, -oder müssen wir etwas ändern?

Von Karl-Heinz Baumöller

Eine gute Frage, -die aber leider nicht so leicht beantwortet werden kann. Machen wir als erstes mal eine Bestandsaufnahme. Wie schon festgestellt, haben wir auf der einen Seite den Schausektor mit Hunden die wegen ihrer unterentwickelten Triebanlagen, ihrem geringen Belastungswert und ihrer mangelnden Arbeitsbereitschaft, weder von Behörden noch zum Sport gebraucht werden können und deshalb das Prädikat Gebrauchshund eigentlich nicht führen dürften. Wenn auch nicht in Gänze, so doch zum aller größten Teil. Denn ein Hund ist nicht nur deshalb ein Gebrauchshund, weil er im Kreis laufen kann. Das ist beileibe etwas wenig. Wer ohne Unterlass den Deutschen Schäferhund als den besten Gebrauchshund der Welt anpreist, der muss das auch beweisen. Oder man muss deklarieren das dieser Hund wegen seiner Abstammung wahrscheinlich nicht als Gebrauchshund zu gebrauchen ist. Das wäre ehrlich den Leuten gegenüber die neu zu uns kommen und noch nicht wissen das es im SV zwei Populationen von Deutschen Schäferhunden gibt. Die nicht wissen, auch nicht wissen können, dass es Gebrauchshunde gibt, die nur nach ihrem Erscheinungsbild gezüchtet wurden. Die sich auch nicht vorstellen können, dass eine Selektion nur nach dem Phänotyp stattfindet, dass die Selektion seiner Gebrauchsfähigkeit nur scheinbar erfolgt. Denn weder bei den Prüfungen, und schon gar nicht bei den Körungen findet eine echte Selektion statt. So ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Austritte aus dem Verein bei Leuten stattfinden die weniger als fünf Jahre im SV sind. Wer danach noch im Verein ist, kennt die Gepflogenheiten und weiß, dass es in einem Verein zwar noch keine zwei Rassen, aber doch zwei Populationen gibt. Er kann sich dann, oder hat sich dann, entschieden für diese oder jene Seite. Er hat in den fünf Jahren gelernt ,dass der Gebrauchshund das Prädikat "Vorzügliche Auslese" erlangen kann, wegen seines Erscheinungsbildes, nicht aber wegen seiner Leistungsfähigkeit. Er hat aber auch gelernt, dass der Hund mit dem Prädikat "Vorzügliche Auslese" weder selbst Leistung vollbringen kann, noch kann er sie vererben. Denn weder über seine Vaterlinie, noch über seine Mutterlinie findet er Hunde die zu dem fähig waren wofür sie eigentlich gezüchtet wurden: Arbeitsfähigkeit und Arbeitsbereitschaft. Denn das müsste selbst jeder Laie verstehen, dass der Hund bei dem über Generationen keine Leistungsauslese stattgefunden hat, auch keine Leistung vererben kann. Wenn aber doch bei einigen Tausend mal einer dabei ist, ist das eine Laune der Natur, aber keine planvolle Gebrauchshunde-Zucht. Unter planvoller Tierzucht ist Selektion unerlässlich. Wo aber ist die Selektion beim Schäferhund? Es soll mir keiner sagen bei unseren Prüfungen oder Körungen. Was dort geprüft wird ist das Minimalste, wenn überhaupt. Die Vereinsprüfungen in manchen Ortsgruppen sind Lachnummern. Es sind immer dieselben Ortsgruppen und immer die selben Richter. Man könnte dem einen Riegel vorschieben, aber wer will das? Man könnte Richter zuteilen, aber dagegen wehren sich diese Leute mit Erfolg, und so haben die Manipulationen ein nie gekanntes Ausmaß angenommen. Also wird es weiter gehen mit den Scheinprüfungen und den Scheinkörungen. Es wird weiter gehen mit der Zucht von Gebrauchshunden die zu nichts zu gebrauchen sind. Das ist Fakt.

Wenn etwas geändert werden sollte, wenn die beiden Populationen wieder zusammen geführt werden sollten, was mehr als unwahrscheinlich ist, dann ginge das nur mit einem Zuchtprogramm über dreißig Jahre. Denn mit einem Pokal auf der BSP und etwas mehr Schutzdienst auf der BSZS wird das nichts. Hunde die zur Zucht zugelassen werden sollen, müssen sich auf einer ZTP beweisen. Auf einer Prüfung die von der Landesgruppe veranstaltet wird, nicht von einem Leistungsrichter abgenommen der sehr wohlwollend ist, sondern von einem Leistungsrichter der diesen Namen auch verdient, die gibt es auch.

Auf der anderen Seite dürften in fünf Jahren nur noch angekörte Hunde zur BSP. In weiteren fünf Jahren, also in 10 Jahren, müssen die Hunde auf der BSP eine Schaubewertung mit Sg nachweisen. In weiteren fünf Jahren müssen die Hunde der BSP an einer LG Schau teilgenommen haben und mindestens ein Sg erhalten haben. So oder ähnlich müsste es von statten gehen wenn wir den gesunden, ansprechenden und Leistungsstarken Deutschen Schäferhund züchten wollen. Aber dazu wird es mit Sicherheit nicht kommen. Denn das eine Lager denkt nicht daran Gebrauchshunde zu züchten, die man auch gebrauchen kann und das andere Lager denkt nicht daran die Anatomie ihrer Hunde zu verbessern. Dabei steht gar nicht zur Debatte ein Gebäude wie die Hunde von der BSZS, nein nur eine bessere Vorhand. Es bleibt sich dabei gleich ob aus Unkenntnis oder Gleichgültigkeit, es geht zu Lasten der Rasse. Umgekehrt denkt die andere Seite nicht im Traum daran die Leistungsfähigkeit ihrer Hunde zu verbessern, warum sollten sie auch, denn die gesamten Körmeister kommen aus ihrem Lager, was bedeutet, dass sie ihre Hunde angekört bekommen egal wie sie lutschen. Ach ja Prüfung? War das schon mal ein Problem? Nein, - einen gnädigen Richter findet man immer. Den Beweis das dem so ist hat man schnell erbracht. Ende der achziger Jahre gab es einen Hund über die Hochzucht, oben wie unten, der 87 Dritter und 89 Zweiter wurde auf der Bundessiegerprüfung "Cliff vom Hühnegrab" sein Name. Es waren vorwiegend Züchter aus dem Leistungsbereich die dort zum Belegen waren. Für die Züchter der Hochzucht kam er nicht in Frage, er ist auf der BSZS 88 in Bremen nur V 61 gelaufen, das war für die Züchter der Hochzucht zuwenig. Nein, - VA muss es schon sein. Denn das ist das erstrebenswerte Ziel, -VA. Nicht weil die Rasse damit verbessert würde, nein weil es dann in der Kasse klingelt. Es gibt heute keinen vernünftigen Grund mehr für das Prädikat " Vorzügliche Auslese ". Es verengt die Genetische Vielfalt von der so viel gesprochen wird, aber die nicht beachtet wird. Der Auslesesieger 2000,Ursus Batu, ist 6 X ingezogen auf Palme. Man kann es kaum glauben. Aber es ist wahr.

Da nicht zu erwarten ist, dass die beiden Populationen wieder zusammen finden, sondern im Gegenteil immer weiter auseinander gehen, wäre es nicht mehr als recht, dass die Leistungsseite ihre eigenen Körmeister hat. Denn es ist ja allgemein bekannt, dass die Schauseite ihre eigenen Leistungsrichter hat. Das hört sich im Moment gewöhnungsbedürftig an, wäre aber normal. Es gibt Körmeister, Namen will ich im Moment nicht nennen, die voller Verachtung von grauen Hunden sprechen. Was also hat ein grauer Hund bei so einem Körmeister für einen Ausguck? Keinen KKL 2. Auch die Arroganz die manche Körmeister, nicht alle, den Leistungsleuten gegenüber an den Tag legen übersteigt das Maß des erträglichen. Warum also nicht gleich eine Trennung der Körungen? Die Forderung von der Schauseite, unsere Hunde müssen 3 X Sg bei drei verschiedenen Richtern laufen bevor sie zur Körung dürfen wird immer heftiger. Wehret den Anfangen!! Es wird das Ziel der Schauseite bleiben, die beiden Populationen zu vereinigen auf dem Niveau der Hochzucht. Das kann es ja wohl nicht sein. Es ist keine Frage, dass wir die Anatomie unserer Hunde verbessern müssen, aber hin zu einem besseren Gebrauchsgebäude, nicht aber zu einem Phantasiegebilde. Ich stelle ihnen hier drei Rüden vor, die alle drei an BSP teilgenommen haben. Die alle drei in KKL 1 gekört sind. Schöner braucht kein Hund zu sein, wenn sie wollen besser, aber nicht schöner. In schwarz " Wotan v.Bärenfang ". In grau "Aly v.Vordersteinwald ". In schwarz/gelb " Feivel v.Schelmentunn ". Alle drei haben sowohl vom Gebäude wie von der Leistung gute und ansprechende Hunde vererbt.

Es ist keine Frage, man kann über eine Rasse geteilter Meinung sein, man kann aber nicht geteilter Meinung darüber sein, wie man in der Zucht ein Ziel erreicht: Selektion! Das weiß man bei den Hochzuchtzüchtern sehr gut. Denn den Standart den sie heute haben, ob richtig oder nicht, ist das Ergebnis des Sortierens. Wohl gemerkt im Gebäude. Nicht aber in der Leistungsbereitschaft. Hier ist der minimalste Selektionsfaktor angelegt worden wenn überhaupt. Dabei darf nicht übersehen werden, dass es sich bei dem Deutschen Schäferhund um einen Gebrauchshund handeln soll. Die Betonung lieg hier eindeutig auf soll. Man unternimmt von Seiten des SV Vorstandes alles um die Behörden bei der Stange Deutscher Schäferhund zu halten. Man beruft in jeder Landesgruppe einen Behördenbeauftragten nur auf die Idee, dass man Hunde züchtet, die von den Behörden auch gebraucht werden können, kommt man nicht. Das deutsche Behörden Deutsche Schäferhunde in Polen und Ungarn kaufen müssen, will man kaum glauben. Das die Polizei in Niedersachsen zum ersten mal mehr Malinois gekauft hat als Schäferhunde stimmt mich traurig. Aber wenn dann immer noch in der SV Zeitung vom besten Gebrauchshund der Welt gesprochen wird, stellt sich mir die Frage, wer hat soviel Chutzpe das zu schreiben? Sicher gibt es heute noch mehr gute Schäferhunde als Malinois, aber es werden auch 10 mal mehr Schäferhunde gezüchtet als Malinois. Wenn der Deutsche Schäferhund seine Position als bester Gebrauchshund behalten will, muss ein umdenken stattfinden. Das Genetische Potential ist noch vorhanden. Nutzen wir es. Die Frage " wie " muss auf den Tisch, es muss darüber Diskutiert werden was geschehen soll. Ob wir bei den zwei Populationen bleiben wollen oder ob wir in ferner Zukunft diese beiden Populationen wieder vereinen wollen. Egal wie auch immer, wir sollten nur ehrlich sein. Es darf nicht sein, dass der Einzelne nur SEINEN Vorteil sieht. Es muss wieder so sein, dass da wo Gebrauchshund draufsteht, auch Gebrauchshund drinn ist.

Oktober 2002
Karlheinz Baumöller

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