Gedanken zur Zucht des Deutschen Schäferhundes !!

Ich wurde von unserem neuen LG-ZW Herrn Norbert Scharschmidt gebeten, einige Gedanken zur Zucht des Deutschen Schäferhundes aus meiner Sicht, für die LG-Westfalen-Notiz nieder zu schreiben !!

Mit Dem Deutschen Schäferhund bin ich seit 1958 verbunden. Ein Onkel betrieb in Erlensee/Hanau eine kleine Hobbyzucht und weihte mich als 12 jährigen in den Hundesport ein und schenkte mir im März 1958 einen Welpen.

Da sich in meinem Heimatort Großkrotzenburg keine SV-OG befand, trat ich noch 1958 in den dortigen Hundeverein ( HSV-Rhein-Main ) ein. Hier fand ich ein solides Umfeld und auch einige Schäferhundliebhaber und Züchter die mir viel Wissenswertes vermitteln konnten. Gemeinsam mit anderen Liebhabern des DSH, faszinierte mich schon von Anfang an, das Wesen, die Ausstrahlung, die Gebrauchstüchtigkeit, die vielfältige Verwendungsmöglichkeit, die Farbenvielfalt des Pigmentes, sowie die Charakterstärke dieses einmaligen Hundes.

Ich beschäftigte mich sehr intensiv bis zu meinem Herzinfarkt im Februar 1988 mit der Ausbildung des DSH und war in meinem Ortsverein als 1. und 2. Vorsitzender, sowie als Übungswart und Schutzdiensthelfer tätig. Dem Vorstand der Kreisgruppe gehörte ich im Ausbildungsteam der KG-03, nahezu 10 Jahre

an. Als Schutzdiensthelfer war ich für den HSV-Rhein-Main auf Wettkämpfen und Ausscheidungen im Einsatz. 1986 wurde ich als LR-Anwärter zugelassen und nach erfolgreicher Abschlussprüfung zum Leistungsrichter berufen.

Dieses Amt habe ich nach meinem Umzug 1996 nach Stadtlohn/Westfalen bis zu meinem Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen, bis zum 03.04.2002 ausgeführt.

In die SV-OG Kleinostheim/Kahl trat ich 1990 ein und begleitete von 1992 an das Amt des OG-Zuchtwartes. Unser OG-Vorsitzender war Dieter Ortlauf der seit über 10 Jahren als LG-Vorsitzender die Geschicke der LG-14 leitet.

Die Zucht unter dem eingetragenen Zwingernamen „ von der Schiffslache,“ betreibe ich nach meinem Herzinfarkt 1988 und einer sehr schweren Reha-Zeit, seit 1992. Im Mai wurde unser Zwingernamen vom SV geschützt und eingetragen. Den geliebten aktiven Hundesport musste ich gezwungener Maßen leider ganz aufgeben. Da ich aber der Rasse DSH weiterhin eng verbunden bleiben und etwas Positives bewegen wollte, habe ich mich mit meiner Frau zusammen vermehrt der Zucht des Deutschen Schäferhundes zugewandt. Ohne die tatkräftige Mithilfe meiner Frau, währe eine Zucht wie wir sie betreiben,

schier unmöglich !!

Es ist aus meiner Sicht äußerst wichtig, die Zucht auf überzeugende Mutterlinien aufzubauen. Dies ist in unserer Linie die Ausnahmehündin und Stamm-Mutter unserer Hündinnenlinie, Vroni vom Riemsloherwald SchH3,Kkl.1

Vroni war eine Matsch Bungalow-Tochter aus der Jolly Goldwasser. Sie war erfolgreiche Teilnehmerin der Deutschen Meisterschaft Platz 7 des DHV und erreichte auf der BSP 1987 in Baunatal 287 Punkte vorzüglich !!

Wichtige Eigenschaften auf die eine Hündinnenlinie aufbauen sollte und die Vroni in hohem Maße besaß, sind. Sie war enorm triebstark, hoch belastbar, robust, gesund, hatte ansprechendes Kkl.1 Gebäude, sie war sehr fruchtbar und eine absolut gute Mutter. Vroni besaß a-normal und vererbte ihre gesunden Hüften und ihre Wesenseigenschaften überzeugend. Wir züchten nun schon in der

5. Generation nach ihr und planen nun im Frühjahr 2006 eine Inzucht 5-5 über ihre Kinder Falko und Gesha Scherwald die beide mein Eigentum waren, auf unsere Stamm-Mutter !

Um diese wichtigen Eigenschaften zu erhalten, versuchen wir in Generationen zu denken und zu planen. Um die genetische Vielfalt in der Zucht zu erhalten, dies ist für mich ein sehr wichtiger Faktor, sollte man meiner Meinung nach auf eine Blutbasiserweiterung unbedingt achten. Um dem genetischen Engpass frühzeitig vorzubeugen, planen wir auch mit hochbelastbaren, gesunden und anatomisch sehr guten Rüdenlinien aus dem benachbarten Ausland. Wir haben bisher immer wieder Rüden mit gesundem ausländischem Erbgut benutzt und werden auch weiterhin belastbare und anatomisch korrekte Rüden aus Belgien, Holland und den Skandinavischen Ländern in unsere Wurfplanungen mit einbeziehen.

Ich denke es ist sehr wichtig unsere Leistungszuchtsäulen wie Racker Itztal, Eros und sogar noch Valet Busecker Schloss, Matsch und Ziggo Bungalow, Gildo Körbelbach, Fero Zeuterner Himmelreich und seine Nachkommen Timmy und Troll, sowie die Enkel Yoschy und Aly, die Linie über Mink Haus Wittfeld, Urs Hopfenstrasse und Harro Lechrainstadt, die Hündinnenlinien wie Askia Froschgraben, Umsa Bungalow, Desi Gleenbachtal und Ira und Blanka Körbelbach um nur einige wichtige zu nennen, mit den erfolgreichen ausländischen Arbeitslinien, Orry Haus Antwerpa, Verwin Blitsaerd und Rüden aus den Nordischen Zwingern wie Jabina, Satoris oder Pa Schacks zu ergänzen. Gerade in diesen Linien sind oft auch noch äußerst brauchbare Hunde aus unseren ehemaligen DDR-Zuchten vertreten, die sich auch bei uns gut durchgesetzt haben. Hunde wie Seigo Angerholz, Robby Glockeneck und Lord Gleisdreieck, sowie sein Sohn Manto Kahlenbach, haben positive Zuchtergebnisse hinterlassen.

 

Es hat sich seit den Jahren, ab Anfang 1960, die mir doch noch gut in Erinnerung sind, sehr viel in unserer Zucht getan. Sicherlich auch viel negatives, denn die heutige Trennung in die so genannten beiden Lager, wäre sicherlich zu vermeiden gewesen ! Die Züchter die den Arbeitshund bevorzugten, konnten sich mit Sicherheit den Deckpartner auch auf der Siegerschau auswählen. Denn dort sah man den Schäferhund wie er von den Schöpfern der Rasse geprägt wurde.

Er zeichnete sich aus durch die wirkliche mittlere Größe, gute Kraft, sowie Vielseitigkeit im Gebrauch und seinem Aussehen. Seine Farbgebung reichte und das auch in der Auslesegruppe, von Lackscharz, Schwarzgelb, Schwarzbraun, bis zu vielen Farbnuancen von Grautönen. Beispiele sind die VA-Rüden Frei Gugge /Schwarz, Bert Haus Knüfken, Arno Erlenbrunnen und Cello Winsbergen/Grau, Bernd und Bodo Lierberg, Marco Cellerland/Schwarzbraun oder Quanto Wienerau und Mutz Pelztierfarm/Schwarzgelb.

Durch die Einführung der Hochzuchtlinien hat Dr. Rummel in den 70 iger Jahren die Zucht auf die 4 Rüden Marco Cellerland, Mutz Pelztierfarm, Canto und Quanto Wienerau, blutlich stark eingeengt. Canto Wienerau erhielt bei seiner Erstankörung am 19.09.70 in Schwandorf von Körmeister M. Fröscher die Kkl.2 mit Kampftrieb vorhanden. Auf einen solchen Rüden mit fehlenden Trieb-qualitäten eine besondere Linie aufzubauen, halte ich schon für eine so bekannte Gebrauchshunderasse und deren Einsatz auch als Diensthunde für sehr gewagt.

Die Bernd und Bodo-Linie hatte scheinbar keine Lobby, denn aus dieser Linie gab es auch leistungsstarke, sowie auch gebäudemässig überragende Tiere wie Bredo Lichtburghof, Joll Bemholt und sein Sohn Hardt Sprühturm, sowie Seffe Busecker Schloß VA und Bruder Sirk Junghundsieger !

Hermann Martin regte dann die vermehrte Benutzung der beiden Rüdenlinien Canto und Quanto an und engte meines Erachtens die blutliche Auslese noch weiter ein. Da beide Rüden noch über die Linie L-Wurf Wienerau Lido/Liane auch sehr eng verwandt sind, ist dies eine weitere Einschränkung. Diese Mutterlinie geht dann über Jalk Fohlenbrunnen auf den übergroßen Vello Sieben Faulen zurück und bildet meiner Meinung nach, unser heutiges Problem der Übergröße und teilweisem Pigmentverlust. Alte erfahrene Züchter erwähnten schon sehr früh, das fehlendes Pigment oft auch mit fehlender Härte und Arbeits-bereitschaft verbunden sei. Viele Artikel der SV-Hefte der 60 iger Jahre haben dieses Thema behandelt und oft waren Hunde der Leistungsstämme im HGH Bereich wie Alfred Hahn erwähnte, dunkelgraue oder tiefpigmentierte, oft sehr dunkelfarbige Tiere. Auf alle Fälle waren den Züchtern vor gut 40 Jahren, noch die Möglichkeit und ein Instrument der ständigen Pigmentregulierung gegeben.

Die Auslesegruppen der Siegerhauptzuchtschauen waren ein sichtbares Zeichen der Vielfalt des Deutschen Schäferhundes und viele ältere Freunde dieser Rasse denken mit Wehmut an diese Zeiten und Bilder zurück !

Ein weiteres Genmaterial wurde in den letzten 25 Jahren der Schaupopulation nicht mehr zugeführt, was das heranführen zu unserer heute wieder gewünschten Mittelgröße sehr erschwert. Da auch durch diese sehr enge Blutführung ein Verlust der Gebrauchseigenschaften, wie Trieb und Arbeitswillen bei vielen Hunden der Siegerschau verloren ging, macht dies den Züchtern die außerdem noch auf Gebäude achten wollen, so schwer, diese Linien miteinander zu verbinden ! Meistens werden diese Nachkommen der Hoch- und Leistungszucht nicht angenommen, da die HF in ihren sportlichen Zielsetzungen hier nicht den gehofften Erfolg finden ! Dies gilt ebenso für die Aussteller, sowie auch die Leistungshundeführer !!

Weil unsere gesamte Schäferhundezucht einen gemeinsamen Ursprung hat, sind doch um nur einige Beispiele zu nennen, so hervorragende Schautiere wie Anderl kleinen Pfahl,sein Vater Mutz Pelztierfarm, Dingo Haus Gero, Boss Amalienhof und sein Sohn Wanko Maaraue, Lasso di Val Sole sowie dessen Vater Quanto Wienerau, Marco Cellerland, Bernd und Bodo Lierberg bis zu Veus Starrenburg Ajax Haus Dexel und Alf Nordfelsen aus den Ahnentafeln unserer Leistungshunde nicht weg zudenken !! Sie waren und sind bedeutende Vererber in Schönheit und Leistung. Aber diese Genvielfalt ist leider in den letzten 20 Jahren nur noch im Leistungsbereich erkennbar. Aber auch hier muss man einschränkend sagen , daß viele Hunde der Leistungslinien schon zu eng auf einige wenige Linien gezüchtet werden. Hier sollte auch rechtzeitig auf das richtig dosierte zuführen von Fremdblut geachtet werden.

Aber das könnte meiner Meinung nach, nur durch ein Umdenken der Zuchtlenkung geschehen. Es müssten Zuchtvorgaben der Vereinsführung wie noch in den 60 iger Jahren vorgegeben werden . Ein Dr. Werner Funk empfahl, sich nicht nur auf die hochplazierten VA und V-Hunde in der Zucht zu beschränken, sondern empfahl auch gut gezogene und dementsprechend gut vererbende SG Rüden zu benutzen. Dies ist heute leider im Ausstellungssektor noch undenkbar !! Aber genau hier müsste angesetzt werden, um Pigment und Genvielfalt, sowie die Mittelgröße zu verbessern. Eine Verbesserung der Gebrauchstüchtigkeit der Schaupopulation und hiermit das festigen von Arbeitsqualität ist nur mit Verständnis und Zugeständnissen möglich oder erreichbar. Ähnliches gilt aber auch für die Hunde im Leistungsbereich, hier sollte schon auf mehr Gebäudeharmonie geachtet und auch gezüchtet werden.

Auch der unvergessene Alfred Hahn mahnte frühzeitig, Rüden die nicht nur Schauerfolge vorweisen zu benutzen, sondern Rüden aus gefestigten Gebrauchsstämmen die robuste leistungsbereite Nachkommen vererben, immer wieder einzupaaren. Er ging über Jahrzehnte mit bestem Beispiel voran und hatte immer wieder Schauerfolge und seine Zuchttiere waren aber ebenso erfolgreich auf den großen Leistungsveranstaltungen.

Wir achten bei unserer Zuchtwahl auf unsere bewährten Hündinnen-Linie und paaren diese mit belastbaren Rüden mit ansprechendem Gebäude. Um auch unsere selbstgezogenen Rüden in die Zucht einbeziehen zu können, habe ich die beiden Hündinnen Connie vom Körnerplatz und Evi vom Champ in unsere Zucht mit einbezogen. Auch diese beiden Hündinnen haben das in sie gesetzte Vertrauen, durch hervorragende Nachzucht belohnt. Hier haben wir uns eine 2. und 3. Linie zu Vroni geschaffen und werden diese Linien in diesem Jahr mit einigen Verpaarungen sinnvoll ergänzen.

Im Prinzip planen wir in Generationen mit guten, gesunden und mir bekannten Stämmen und wurden auch in der SV-Genetic´s durch hervorragende Zuchtwerte hierin bestätigt.

Es hat sicherlich jeder Züchter seine Erfahrung und seine Philosophie, wir sind mit der unseren bisher ganz gut gefahren und werden unserem Zuchtgedanken weiterhin treu bleiben !!

Herbert Born
von der Schiffslache
28. März 2006

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